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dranbleiben!

Bernd Maurer

Was COVID-19 uns in Sachen Remote-Arbeit lehrt

Als Dienstleister mit hohem Beratungsanteil kennen wir das alle: Kaum ist man sich mit einem Kunden einig, was wann und wie gemacht werden soll, wird auch schon reflexhaft darauf hingewiesen, dass die Leistung natürlich und auf jeden Fall im Hause des Kunden zu erbringen ist. Für uns immer schon schwer nachvollziehbar, denn wer gerade wie wir einen überregionalen Ansatz und teilweise sogar internationale Kunden hat, tut sich mit Reisezeiten und Reisekosten schwer. Insbesondere wenn man mit dem Kunden auf Letzteres zu sprechen kommt, soll es natürlich auch möglichst wenig kosten.  Dass man bei der Betrachtung auch gerne außen vor lässt, dass man seine Mitarbeiter durch tägliche Stauzeiten auf einer Autobahn, z.B. der A2 zwischen Hannover und Braunschweig, so sauer fahren kann, dass es zu einer Kündigung kommen kann, ist für Kunden meist kein Argument. Wer täglich 2 X im günstigsten Falle 45 Minuten und im Durchschnitt 75 - 90 Minuten für den Weg zum Kunden und zurück braucht, denkt mittelfristig aber ziemlich sicher über einen Jobwechsel nach. 

Die Option dazu: die klassische Beraterwoche: Montags früh hin, Donnerstags spät heim. Kann man sich auch eine Weile schön reden, mit Sätzen wie „Man ist ja fast die Hälfte zu Hause!“. Geht aber auch nur, solange man noch jung ist und beispielsweise keine schulpflichtigen Kinder im „Home Schooling" hat. 

Damit kommen wir zur Corona-Pandemie und was sie uns aus Sicht des Auftragnehmers gelehrt hat, wenn wir unseren Output, die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter und den Erfolg unserer Projekte allgemein bewerten wollen:

Das mit der Zufriedenheit haben wir ja oben schon angerissen. Jemand, der 2,5 Stunden am Tag im Stau steht und das nicht so richtig entlohnt wird, weil unser Kunde auch nur wenig bereit ist, dafür zu zahlen, ist schon mal nicht zufrieden. Wer kleine Kinder hat, und das ist bei der Altersstruktur der Entwickler*innen und Berater*innen in unserer Branche nicht selten der Fall, will auch nicht 3 oder 4 Abende allein im Hotelzimmer sitzen und seine Kinder per Facetime ins Bett bringen. Zufrieden sind die Kollegen und Kolleginnen, wenn sie in Bezug auf ihre Kernaufgaben möglichst wenig Overhead haben und wie alle anderen auch, möglichst viel bei ihren Lieben sein können. Für wenig Overhead zu sorgen und damit auch mittelfristig möglichst wenig Fluktuation zu haben, ist die Aufgabe der Geschäftsführung und derjenigen, die mit den Kunden den Einsatz und die Konditionen verhandeln. 

In Zeiten von Corona haben wir sehr schnell gemerkt, dass wir im Grunde ohne Verwerfungen und Friktionen remote weiterarbeiten konnten. Die Infrastruktur dazu hatten wir schon immer und damit den Vorteil gegenüber den Firmen, die noch „digitalisieren“ mussten. Wir sind ja schließlich sozusagen die Digitalisierung. Aber was hat sich geändert? Im Grunde wenig, außer dass wir, unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und unsere Kund*innen sich an die neue Art der Kommunikation gewöhnen mussten. Die Webkonferenz, die wir vorher immer schon mal verwendet haben, ist in der Kommunikation mit und hin zum Kunden zum Standard geworden. Und wenn man den ganzen Tag mehrere lange und regelmäßige Webkonferenzen hat, dann ist das anstrengend. Entsprechend haben die meisten ein Gefühl für eine gewisse Webkonferenz-Etikette entwickelt. Was sich nicht geändert hat, sind unsere Prozesse, wie wir agil arbeiten zum Beispiel. Es gibt immer noch die gleichen Meetings im Rahmen von Scrum, in der gleichen Frequenz. Jeder macht das, was er vorher gemacht hat. Und obwohl die Pandemie sicher eine Herausforderung für alle darstellt, wagen wir hier mal die steile These, dass keiner sauer ist, keine Lebenszeit in Autos, Zügen und Flugzeiten verbringen zu müssen. 

In relativ kurzer Zeit gab es im letzten Frühjahr die Policies von Kundenseite, dass man eh nicht mehr in die Gebäude der Kunden durfte. Aber deswegen haben wir keinen Job nicht gemacht - im Gegenteil. Und die Projekte laufen nicht schlechter. Auch und vielleicht insbesondere weil unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sich ihre Zeit besser einteilen können und nicht von Anreise und Verspätungen der öffentlichen Verkehrsmittel usw. gestresst sind. Die Projekte haben ihre Probleme wie immer, meist bei unklaren Anforderungen und schlechter Kommunikation. Aber aneinander vorbei reden kann man eben auch ganz gut, wenn man sich gegenüber sitzt. 

Der eigentlich Grund, warum viele den Dienstleister vor Ort haben wollen, ist die gefühlte Kontrolle, denn dann sieht man ja, dass jemand da ist und arbeitet. „Der Einkauf will das so“ oder „Unser CTO war früher selbst Entwickler“ sind die entsprechenden Totschlagargumente.  Unser Ansatz ist hier Vertrauen und wir wollen mittelfristig bis langfristig für unsere Kunden da sein. Das reduziert Stress (auf beiden Seiten. Siehe Zufriedenheit). Wir machen lieber mal eine Stunde mehr, auch wenn die nicht bezahlt wird, wenn wir wissen, dass es gut für das Projekt und damit den Kunden ist. Diese Stunde steht dann auch in keinem Verhältnis zu unnützen Fahrzeiten und ist gut in die Beziehung investiert. 

Eines wollen wir dabei nicht falsch verstanden wissen: Es geht nicht darum, dass wir uns nicht persönlich kennenlernen und nie bei unseren Kunden vorbeikommen wollen, das machen wir gerne in einer gewissen Regelmäßigkeit (in Zeiten ohne Pandemie), bspw. zum Sprintwechsel. Wir bringen dann sogar Kuchen mit. Kennenlernen ist auch wichtig, gerne auch über die ersten ein oder zwei Wochen vor Ort beim Kunden. Dass aber die kontinuierliche oder dauerhafte Vorort-Verfügbarkeit mit dem entsprechenden Overhead nicht notwendig ist, das hat uns Corona ganz deutlich gezeigt. 

In Bezug auf Aufwand, Projektdauer, Qualität, Engagement, Ergebnis und damit Kundenzufriedenheit und nicht zuletzt Mitarbeiterzufriedenheit. 

Mit dieser Erkenntnis stellen wir jetzt überregional ein. Klar ist da immer noch gewünscht, dass jede(r) mal im Büro vorbeikommt, dass man sich austauscht und diskutiert. Aber wann und wie oft, ist im Grunde die Entscheidung unserer Mitarbeiter. Wir geben da nur doch die Rahmenbedingungen vor.

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